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Von Birchermüesli und Biber

Die traditionelle Emmental-Rundfahrt lockt jedes Jahr hunderte Amateur-Gümmeler und Biker an den Start in Kirchberg. Zur Auswahl stehen Strecken von 90, 120 und 150 Kilometern. Wer Lust hat, kann die Strecke gar zweimal abspulen, denn der Anlass findet immer am Samstag und am Sonntag statt.

Warum eigentlich nicht?

Als sich Arbeitskollegen vor einigen Jahren bemühten, mich für eine Velotour der besonderen Art gluschtig zu machen, schreckte mich vor allem die Länge dieser besonderen Tour ab: 150 km an einem Tag schienen mir doch happig für einen Genussgümmeler in vorgerücktem Alter wie mich. Einige gemeinsame Kaffeepausen später war jedoch genug Ehrgeiz geweckt, um zuzusagen.

Wohl radelte ich schon nach Rotterdam oder Budapest, aber immer allein und damit völlig frei, wann pausiert und wo verpflegt werden soll. In einer Gruppe von fünf oder mehr Personen zu pedalen war mir fremd und bescherte mir ein mulmiges Gefühl. Doch einmal zugesagt, freute ich mich auf das Wochenende im Juli.

Start um sechs Uhr 

Die Emmentalrundfahrt wird nächstes Jahr bereits zum 40. Mal durchgeführt. Organisiert wird der Anlass vom Radfahrverein Ersigen. Bis vor wenigen Jahren mit Start und Ziel im Oeschberg bei Koppigen, neu in Kirchberg.

Zur Auswahl stehen für dir Renn- und Tourenvelos Strecken von 90, 120 und 150 Kilometern. Dies bedeutete für unsere Gruppe, bestehend aus zwei Frauen und vier Männern bei einer Höhendifferenz von 685 m einen Anstieg von insgesamt 2‘290 Metern zu meistern. Gnädigerweise aber auch gleichviele Meter wieder abwärts.

Um die Hitze der Julisonne auf ein erträgliches Mass zu reduzieren, starteten wir exakt um 6 Uhr, der frühest möglichen Zeit. Die Routiniers in unserer Gruppe führten in einem moderaten Tempo durch die ersten und die vielen folgenden Kilometer.

Emmental-Rundfahrt

Pièce de résistance

Die Strecke führt meist über schwach befahrene Strassen Richtung Huttwil. Erster Vorgeschmack der 2‘290 Anstiegsmeter warteten aber bereits bei Oschwand und mit dem Ochlenberg. Einmal Huttwil im Rückspiegel, ging es pausenlos aufwärts Richtung Fritzeflueh. Keuchend oben angelangt, gings durch den kurzen Tunnel, um nachher in einer tollen Abfahrt Richtung Wasen 70 Km/h auf den Tacho zu zaubern. In Sumiswald warteten Bouillon und feine Sandwiches auf dankbare Abnehmer. Weiter gings über Lützelflüh, Schüpbach und Eggiwil Richtung Schallenberg, dem «pièce de résistance» der Rundfahrt. Es ist kurz vor Mittag, die Sonne gefühlt direkt im Nacken. Die Passhöhe einmal geschafft, wartete erneut eine tolle Abfahrt Richtung nächste Verpflegung in der Oberei: Herrliches Birchermüesli stand bereit, ein Gedicht.

Was folgte, war eine wunderschöne Fahrt über Heimenschwand mit einem unbeschreiblichen Ausblick auf die Berner Alpen. Hinunter nach Oberdiessbach, hinauf Richtung Konolfingen und Ursellen, wo Appenzeller-Biber die nötigen Kalorien für die Schlussetappe liefern mussten. Wir hatten bereits über 100 Kilometer in den Beinen.

Über Worb, durchs Lindentäli nach Lyssach und zurück zum Startpunkt. Erstaunlich, welche Kräfte auf den letzten Kilometern noch mobilisiert werden konnten. Nach über sieben Stunden im Sattel, notabene.

Ein herrliches Erlebnis. Zur Nachahmung wärmstens empfohlen. Nächstes Jahr am Wochenende des 27./28. Juli.

https://rversigen.ch/emmental-rundfahrt/

Ein Blog von Beat Zaugg, Glis

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